Die Mobilität von Protonen und Hydroxidionen ist anomal schnell
Protonen bewegen sich in Wasser über den Grotthuss-Mechanismus viel schneller als andere Ionen.
Wissenschaftliche Erklärung
In wässrigen Lösungen bewegen sich Protonen (H-plus) und Hydroxidionen (OH-minus) unter dem Einfluss eines elektrischen Feldes etwa fünf- bis siebenmal schneller als andere einwertige Ionen wie Natrium oder Kalium. Diese anomal hohe Mobilität lässt sich nicht durch die geringe Masse des Protons allein erklären — denn in Lösung bewegt sich das Proton nicht als nacktes Teilchen, sondern ist als Hydroniumion (H3O-plus) von Wassermolekülen umgeben.
Der Schlüssel liegt im Grotthuss-Mechanismus (benannt nach Theodor von Grotthuss, der ihn 1806 erstmals vorschlug). Anstatt dass ein einzelnes Hydroniumion physisch durch die Flüssigkeit wandert, wird die positive Ladung über eine Kette von Wasserstoffbrücken weitergereicht: Ein Proton springt vom Hydroniumion zum benachbarten Wassermolekül, das dadurch selbst zum Hydroniumion wird. Dieses gibt wiederum ein Proton an den nächsten Nachbarn weiter, und so fort.
Dieser Sprungmechanismus ist viel schneller als die physische Diffusion eines Ions durch die Flüssigkeit, weil er nur lokale Umlagerungen von Protonen entlang bestehender Wasserstoffbrücken erfordert. Ähnlich wie ein Eimer-Brigade Wasser schneller transportiert als ein einzelner Träger, wird die Ladung durch kooperatives Weiterreichen effizient über grosse Strecken transportiert.
Alltagsrelevanz
Die hohe Protonenmobilität ist für die Biologie von grundlegender Bedeutung. In unseren Zellen nutzen Mitochondrien Protonengradienten, um ATP — den universellen Energieträger — zu erzeugen. Die schnelle Protonenbewegung entlang von Wasserkanälen in Proteinen ermöglicht diese effiziente Energieumwandlung. Auch in Brennstoffzellen und Protonenaustauschmembranen (PEM) wird der Grotthuss-Mechanismus technisch genutzt: Die hohe Protonenleitfähigkeit von Wasser und wasserähnlichen Medien ist die Grundlage für die Funktion dieser Energietechnologien.