Gelöste Stoffe haben unterschiedliche Auswirkungen auf Eigenschaften wie Dichte und Viskosität
Verschiedene gelöste Stoffe beeinflussen die Eigenschaften von Wasser auf überraschend unterschiedliche Weise.
Wissenschaftliche Erklärung
Wenn man einen Stoff in Wasser löst, würde man intuitiv erwarten, dass sich alle physikalischen Eigenschaften gleichsinnig ändern — zum Beispiel, dass ein Stoff, der die Dichte erhöht, auch die Viskosität steigert. Bei Wasser ist das nicht der Fall. Verschiedene gelöste Stoffe können die Dichte erhöhen, aber gleichzeitig die Viskosität verringern, oder umgekehrt.
Dieses Verhalten wird durch die unterschiedliche Wechselwirkung der gelösten Ionen mit dem Wasserstoffbrückennetzwerk erklärt. In der Hofmeister-Reihe werden Ionen als Kosmotrope (Strukturverstärker) oder Chaotrope (Strukturbrecher) klassifiziert. Kosmotrope wie Sulfat (SO4 2-) oder Magnesium (Mg 2+) stärken das umgebende Wassernetzwerk und erhöhen sowohl Dichte als auch Viskosität. Chaotrope wie Thiocyanat (SCN-) oder Iodid (I-) lockern das Netzwerk auf und können die Viskosität verringern, während sie die Dichte trotzdem verändern.
Das Entscheidende: Ein und derselbe gelöste Stoff kann verschiedene Eigenschaften in entgegengesetzte Richtungen beeinflussen. Kaliumchlorid beispielsweise erhöht die Dichte, verringert aber die Viskosität von Wasser.
Alltagsrelevanz
Die Hofmeister-Reihe hat grosse praktische Bedeutung in der Biochemie und Pharmazie. Die Stabilität von Proteinen in Lösung hängt davon ab, welche Salze anwesend sind: Kosmotrope stabilisieren Proteine, Chaotrope können sie entfalten. Dies beeinflusst die Formulierung von Medikamenten, die Haltbarkeit von Lebensmitteln und sogar die Wirksamkeit von Reinigungsmitteln. Auch in der Wasseraufbereitung ist das Verständnis dieser unterschiedlichen Ionenwirkungen entscheidend.